Von:
Johann-Christof Hechtel

e-sozial.de

Ich bin sozial eingestellt. Aber ich trage nicht immer nur Jeans und in meinem Kleiderschrank liegen auch nicht nur Pullis. Ich habe gerne auch einmal meine Ruhe und brauche nicht permanent in Basisgruppen organisiert sein. Und ich wähle auch nicht immer dieselbe Partei.

Allerdings bin ich überzeugt, dass es nicht der eigene Verdienst ist, ob einer leicht lernt oder sich mühsam plagen muss. Und ich meine, dass Kinder, die von ihren Eltern links liegen gelassen oder geschlagen werden, nicht selber Schuld sind. Bei unserem Leben, das immer schneller und komplizierter wird, macht es mich betroffen, wenn Beruhigungsmittel astronomische Zuwachsraten haben – auch schon bei Kindern. Und wer seit seinem Unfall oder aufgrund einer Krankheit im Rollstuhl sitzt, hat sich das ja auch nicht frei so gewählt. Das Leben selbst ist -glaube ich- nicht gerecht.

Manchmal bin ich erschrocken, wie kalt sich manche zu solchen Fragen äußern –falls sie überhaupt einen Blick dafür haben. Auch, wie wenig heutzutage die einen vom Leben der anderen wirklich wissen – erschreckend... Ich möchte nicht, dass unsere Gesellschaft zunehmend unsicherer wird und verroht, nur weil manche klammheimlich oder ganz offen meinen, sozial sei vorgestrig und hätte soooo einen langen Bart. Für andere mag es noch immer fast ein Schimpfwort sein, ich w i l l sozial sein – und hoffe, dass es mir an vielen Punkten gelingt. Ich meine: Evangelisch und sozial gehören zusammen wie Glaube und Helfen.